Munitionsräumung im Meer

eine internationale Aufgabe

Fünfter Fortschrittsbericht zu Munitionsbelastung in deutscher Nord- und Ostsee: Schleswig-holsteinischer Umweltminister Habeck: "Bei der Suche nach Lösungen kommen wir weiter voran."

KIEL. Das Problem von im Meer versenkter Munition ist gigantisch, aber bei der Suche nach Lösungen geht es weiter voran. Das zeigt der fünfte Fortschrittsbericht "Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer – Entwicklungen und Fortschritt", den das Umweltministerium Schleswig-Holstein veröffentlicht hat. "Es ist beeindruckend, wie sich mehr und mehr Menschen mit ihren Kenntnissen, Erfahrungen und ihrer Entdeckerfreude diesem Problem gigantischen Ausmaßes entgegenstellen. Dieser Fortschrittsbericht macht seinem Namen alle Ehre. Wir kommen bei der Suche nach Lösungen gut voran. Das ist dem Zusammenspiel von Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Verwaltung und immer auch dem hohen Engagement von Naturschutzverbänden zu verdanken", sagte Minister Habeck. 

Eine Grundlage für die wissenschaftlich abgesicherte Beurteilung der Umweltgefahren, die von der Munition ausgehen, wird beispielsweise das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Projekt "Umweltmonitoring für die Delaboration von Munition im Meer" (UDEMM) liefern können, an dem Meeresforscher vom GEOMAR und des IOW sowie Ökotoxikologen der Universität Kiel beteiligt sind. Und nicht nur das: Nach Abschluss des Projektes im Februar 2019 dürfte auch ein Monitoring-Verfahren für die Belastung von Meeresgewässern mit Sprengstoff-Abbauprodukten, das im Rahmen der MSRL-Verpflichtungen Deutschlands standardmäßig anwendbar ist, zur Verfügung stehen.

Eine weitere Maßnahme, mit deren Umsetzung bereits begonnen wurde, ist die vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderte Entwicklung leistungsfähiger autonomer Bergungstechnologie im Rahmen des bis September 2018 parallel zum UDEMM-Projekt laufenden Projektes "RoBEMM – Robotisches Unterwasser-Bergungs- und Entsorgungsverfahren inkl. Technik zur Delaboration von Munition im Meer". Diese Technik wird im Rahmen von Offshore-Projekten bereits jetzt dringend benötigt, sie wird aber auch die Sanierung von Munitionsversenkungsgebieten ermöglichen. "Schleswig-Holstein und den Projektpartnern ist es gelungen, hierfür 5,2 Millionen Euro Fördermittel beim Bund einzuwerben. Beide Forschungsprojekte zusammen sollen die Voraussetzungen für eine umweltverträgliche, praktikable Räumung schaffen. Der Weg bis zur Umsetzung ist noch weit, aber ein Anfang ist gemacht", sagte Habeck.

Bedrückend lesen sich die Beschreibungen über die jetzt bekannt gewordenen Details zur Belastung unserer Meere mit Munition. Die Mitglieder des Expertenkreises "Munition im Meer" und ihre Partner verbessern das Lagebild der Behörden fortlaufend. Die Zentrale Meldestelle für Munition im Meer nahm im vergangenen Berichtsjahr 264 Meldungen (2015: 218) entgegen, die Ereignisse mit insgesamt 1.428 Kampfmitteln beschrieben (2015: 8.098 Stück). Die Zusammenfassung aller Meldungen aus dem Küstenmeer und von den Offshore-Baustellen auf hoher See ermöglichen eine transparente Darstellung und eine einheitliche Bewertung. Die Zentrale Meldestelle im Maritimen Sicherheitszentrum Cuxhaven bereitet auch die Berichterstattung im Rahmen des Europäischen Meeresschutzes und der Regionalen Konventionen OSPAR (Schutz der Nordsee) und HELCOM (Schutz der Ostsee) vor.

Zudem wird deutlich, welche Früchte diese gemeinsame Arbeit trägt: Trotz der weiter ansteigenden Zahl von Munitionsfunden auf Offshore-Baustellen ist auch im Jahr 2016 kein Unfall mit dieser gefährlichen Altlast bekannt geworden. Das Fahrwasser der Kieler Förde und der Kiel-Ostsee-Weg westlich Fehmarn konnte von weiteren Blindgängern befreit werden, die dort seit dem 2. Weltkrieg unentdeckt gelauert hatten. Zudem beschreibt der Bericht internationale Projekte, die aus Mitteln der Europäischen Union und der NATO finanziert werden.

Den Bericht finden Sie im Internet unter: 
http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/Themen/Fachinhalte/textekarten_Berichte.html  

Hintergrund: Noch immer lagern allein in deutschen Meeresgewässern mehr als 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition. Verladen auf einen Güterzug wäre dieser mehr als 3.000 Kilometer lang. Nunmehr ist ein halbes Jahrzehnt vergangen, seit sich Experten von Bund und Küstenländern auf die Bewertung verständigt hatten, dass die in deutschen Meeresgewässern befindliche Munition eine „latente Gefahr“ für Mensch und Umwelt darstelle, welcher auf der Grundlage einvernehmlicher Empfehlungen begegnet werden muss. Einige der Maßnahmen, die seinerzeit empfohlen wurden, konnten bereits umgesetzt werden, mit anderen wurde jedoch nur begonnen. Zudem lassen sich die Auswirkungen der mindestens 1,6 Millionen Tonnen in deutsche Gewässer eingebrachten Munition noch immer nicht abschließend beurteilen, da entsprechende Verfahren fehlen.
Die Landesregierung informiert über das Problem und über die Entwicklungen und Fortschritte bei seiner Lösung unter: www.munition-im-meer.de.
 
Zu den Projekten: 
UDEMM wird über das Nationale Förderprogramm „Forschung für nachhaltige Entwicklung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit 1,6 Millionen Euro gefördert. Koordiniert wird das Projekt vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Partner sind das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Es ist am 1. März 2016 gestartet und auf drei Jahre angelegt. 
 
Das Projekt RoBEMM wurde von einem Entwicklungsverbund aus Industrie und Forschung unter Leitung der Heinrich Hirdes EOD Services GmbH beantragt, mit Unterstützung des Kieler GEOMAR und des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums. RoBEMM wird mit rund 3,6 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Ziel des ebenfalls dreijährigen Projektes ist es, eine Maschine zu entwickeln und zu testen, die am Meeresgrund liegende Munition vollautomatisch unschädlich macht und deren giftige Inhaltsstoffe umweltgerecht entsorgen kann (www.munitionsraeumung-meer.de/nationale-forschung/robemm).