Munitionsräumung im Meer

eine internationale Aufgabe

Abb. 1: Schematische Darstellung der RoBEMM-Plattform mit Delaborationseinheit, Quelle: Heinrich Hirdes EOD Services GmbH

Fortschrittsbericht zur Entwicklung von RoBEMM (Robotisches Unterwasser-Bergungs- und Entsorgungsverfahren inkl. Technik zur Delaboration von Munition im Meer, insb. im Küsten- & Flachwasserbereich)

HAMBURG. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass ca. 1,6 Millionen Tonnen Munition in der Nord- und Ostsee lagern. Ein Großteil dieser Munition stammt aus der Demilitarisierung Deutschlands nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Nicht für alle Versenkungsgebiete gibt es genaue Aufzeichnungen über die Lage der Munition im Meer. Die Alliiertentruppen sind nicht immer die vorgegebenen Versenkungsgebiete angelaufen, um die Munition positionsgenau zu versenken. Des Weiteren haben Meeresströmungen und Grundschleppfischerei dazu beigetragen, die Munition am Meeresgrund umzulagern. Zudem befindet sich die Munition auf dem Meeresgrund oftmals in einem instabilen Zustand, aufgrund der langen Lagerung.
Daher ist diese Munitionsaltlast eine große Gefahr für Meereslebewesen und insbesondere beim Bau von Offshore-Windparks für Menschen und eingesetzte Schiffe/Geräte. Gleichfalls ist die Räumung dieser Munition sehr zeit- und kostenintensiv.

Seit 2012 führt die Boskalis/ Heinrich Hirdes EOD Services GmbH erfolgreich mit hochqualifiziertem Personal und modernster Technik die Suche und Räumung von Munition im Meer durch.

Seit Herbst 2015 forscht und erprobt die Boskalis/ Heinrich Hirdes EOD Services GmbH neue Lösungen für eine sichere und umweltfreundliche Bergung der Munition aus dem Meer gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für chemische Technologie (sicherheitstechnische Auslegung der Prozesskette vom Munitions- und Sprengstoffhandling bis zur Entsorgung), der automatic Klein GmbH (Automatisierung und Anbindung verschiedener Teilkomponenten) und dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig (Entwicklung eines Qualitätsleitfadens für die Kampfmittelräumung und Konzeption für ein Offshore-Testfeld).

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (kurz: BMWi) bezuschusst diesen Forschungsverbund mit insgesamt ca. 3,5 Mio. Euro über eine Laufzeit von ca. 3 Jahren.

Das Teilziel von Heinrich Hirdes EOD Services ist es, in diesem Forschungsverbund einen Prototyp für Meerestiefen von 0 bis 35 Meter (perspektivisch bis 50 Meter) zu entwickeln. Ziel ist es, die Munition bereits Unterwasser teilautomatisiert unschädlich zu machen und diese dann im Anschluss umweltgerecht zu entsorgen. Hierfür wird eine Plattform konzipiert, die durch eine Bearbeitungseinheit mit verschiedenen Werkzeugen ergänzt wird (siehe Abb.), die beispielsweise bei der Räumung von Ankertauminen (mit ca. 300 bis 350 kg Sprengstoff) zum Einsatz kommt. Ein solches automatisiertes System könnte die derzeit gefährlichen Tauchereinsätze und die oftmals alternativlosen Sprengungen der Munition ersetzen.

Die Entwicklung von neuen Prozessen inkl. Techniken für die Delaboration der Munition ist sehr komplex. Eine besondere Herausforderung in der Entwicklung bzw. für die automatisierte Entzünderung sind beispielsweise die sehr unterschiedlichen Munitionsformate. Auch der Aufbau und der tatsächliche Sprengstoffinhalt des Kampfmittels können stark von den Angaben in der Literatur abweichen. Am Ende des Krieges wurden für die Herstellung von Munition alle noch verfügbaren und geeigneten Materialien verwendet. Das heißt, man weiß nie wirklich, welche Inhaltsstoffe vorhanden sind und wie sie u. U. plötzlich miteinander reagieren. Gleichfalls zeigten verschiedene Untersuchungsergebnisse, dass die Schlag-empfindlichkeit der Sprengstoffe erhöht sein kann. Dies muss bei einem automatisierten Transport der Munitionskörper berücksichtigt werden, damit es nicht zu einer spontanen Detonation kommt.

All diese Herausforderungen werden bei der Entwicklung der neuen einzelnen Prozessschritte, von der Unterwasser-Freispülung der Munition, der Fixierung in der Delaborationseinheit bis hin zum Reststoffhandling mit entsprechenden Techniken berücksichtigt.

Dieser Projektabschnitt war für alle Beteiligten im Forschungsverbund sehr entscheidend und wurde kontrovers diskutiert. Nun gilt es im verbleibenden Entwicklungsjahr, die kleinen Fehlerquellen zu beheben und den Gesamtprozess unter Realbedingungen zu testen und abzuschließen. Das gesamte Projektteam ist zuversichtlich das Projekt erfolgreich zu beenden, so Projektkoordinatorin Melanie Abbondanzieri zum derzeitigen RoBEMM-Projektstand.

Die Heinrich Hirdes EOD Services GmbH gehört zur Heinrich Hirdes Gruppe, die eine 100 % Tochter der Royal Boskalis Westminster N.V. ist. Boskalis (www.boskalis.com) ist ein weltweit führender Dredging- und Marine-Experte und bietet eine breite Palette von Dienstleistungen an, w. z. B.: Nassbaggerarbeiten, Küstenschutz, Landgewinnung, Arbeiten im Bereich der Offshore-Energie, landseitige Arbeiten für Infrastrukturmaßnahmen, Schlepperassistenz sowie Bergungsarbeiten.

Pressekontakt:
Andreas Jeron
Heinrich Hirdes GmbH
Am Festungsgraben 10
21079 Hamburg
Tel.: +49 40 766094-0